Auszug aus dem Bericht zum Baufortschrittsbesuch: Oktober 2012




















Inwieweit ist der Betrieb der Unterkunfts- und Ausbildungsstätte aufgenommen worden?
Die beiden Häuser die der Unterbringung und Verpflegung der Internatsschüler dienen sollen, sind
noch nicht im Betrieb. Die Schulungsräume dagegen werden genutzt, aktuell von 80 externen
Schülern folgendermassen:
Montag bis Freitag 15°°h – 18°°h
- Ein Ausbildungskurs für Maurerkenntnisse: 20 Teilnehmer, xx % Mädchen
- Ein Ausbildungskurs für Fliesenlegerhandwerk: 18 Teilnehmer, davon 10 Mädchen
- Ein Ausbildungskurs für Informatik: 25 Teilnehmer, 95% Mädchen
- Cour de rattrapage de Rheto/philo??
Ab Januar
- Ein Ausbildungskurs Englisch: 30 Teilnehmer
- Erhöhung der Plätze im Informatikkurs von 25 auf 50 Plätze
Die derzeit insgesamt 80 externen Schüler besuchen vormittags die umliegenden weiterführenden
Schulen und nutzen nachmittags die Einrichtung zur Berufsausbildung. Für das künftige Internat ist
die Aufnahme von 30, idealerweise bis zu 50 Mädchen geplant. Wann das umgesetzt werden kann,
ist offen. Herr Roy hat von einigen Monaten gesprochen.
In der Ausbildung sind 6 Lehrer beschäftigt, für den Betrieb des Hauses gibt es drei Angestellte,
davon zwei Frauen.
Die Frage, ob man die Schulungsräume nicht auch vormittags auszulasten könne, sei es auch
durch einen anderen Träger, war Herrn Roy nicht neu. Er meinte die Distanz von Cay-Jacmel zu
Jacmel wäre zu groß, als dass sich viele Schulen für den Standort interessieren würden. Doch er
würde weiter versuchen, jemanden zu interessieren, um für den Betrieb Autarkie zu erreichen.

Sind die Wasser- und Stromversorgung sichergestellt?
Zur Wasserversorgung wurde früher schon der Bau einer Wasserfassung finanziert, die kostenlos und
in ausreichender Menge liefert, aber nicht den Druck aufweist, der für fliessend Wasser nötig ist. Als
Notreservoir und zur Deckung von Verbrauchsspitzen gibt es ein große Zisterne, die noch gereinigt
werden muss. Was zur Komplettierung der Wasserversorgung noch fehlt sind die üblichen Behälter
(chateau d’eau) auf dem Dach, die mit elektrischen oder Dieselpumpen befüllt werden.
Die dauerhafte Stromversorgung ist derzeit noch nicht gesichert. Kabel und Steckdosen sind
vollständig installiert, doch Preis für öffentlichen Strom (Strom wird in Haiti nach Hausgrösse, und
nicht nach Verbrauch abgerechnet) oder die Kosten einer Solaranlage sind laut Herrn Roy derzeit
nicht finanzierbar.
Das Mittel seiner Wahl hinsichtlich Kosteneffizienz ist ein neu beschaffter 40 kW Dieselgenerator, der
den Betrieb der Computer ermöglicht. Licht ist im derzeitigen Betrieb noch nicht nötig, im Büro
allerdings wäre zum Anschluss von Drucker, PC und zum Laden von Telefon konstanter Strom
hilfreich.

T-Shirts statt Schuluniformen, eine günstige Anpassung an landesübliche Gepflogenheiten.
Die Lehrer beteiligten sich bei der Finanzierung.

Augenscheinlich wahrnehmbare Qualität der Bauausführung
Die Qualität der Bauarbeiten kann ohne Bedenken als gut bezeichnet werden, natürlich unter der
Voraussetzung, dass man die landesübliche Massstäbe kennt.
Wer in Haiti auf schnelle Ausführung von Arbeiten setzt, bekommt das in der Regel mit deutlichen
Abstrichen bei der Qualität der Arbeiten. Gute Handwerker sind rar, entsprechend lange wartet man
normal bis sie Zeit haben. Insofern schien mir die Bauausführung der Häuser in der relativ kurzen Zeit
eine wirklich akzeptable Qualität zu haben.
Was sehr positiv auffiel ist, dass teilweise viel Kreativität eingesetzt wurde, um Kosten zu sparen.
Ebenso lobenswert, dass die Schüler bei der Ausführung einiger der Bauarbeiten integriert werden
und im Gegenzug bewusst Abstriche an die Perfektion in Kauf genommen werden.
Darüberhinaus war deutlich zu sehen, dass Herr Roy den Ausgabenschwerpunkt auf die
Ausbildungsmittel der Schüler setzt und nicht auf die Ausstattung seines eigenen Arbeitsplatzes.
Das/sein Büro ist mit gespendeten Tischen und Stühlen ausgestattet.
Die Schulbänke, die er für ein der vier Klassenzimmer hat herstellen können, sind in der Anschaffung
teuer, aber seiner Erfahrung nach wesentlich haltbarer. Sie sind, so konnte er vorrechnen, langfristig
günstiger als die Einzelstühle, mit denen zudem Schreiben nur auf den Knien möglich ist.


Fehlt es der Einrichtung an notwendiger Ausstattung/Infrastruktur/Technik?
Für den Beginn des Internatsbetriebs fehlt die komplette Kücheneinrichtung, für die Schlafsäle, die
Duschräume und den Speisesaal die gesamten Möbel sowie die nötige Wäsche. Eine genaue
Aufstellung der benötigten Dinge sowie die geplanten Kosten konnte im Plan 2011-13 eingesehen werden,
den Herr Roy freundlicherweise ausgedruckt hatte.
Die noch vorher nötigen Bauarbeiten sind bis auf wenige Restarbeiten abgeschlossen.
Zu nennen wäre die Anbringung von Moskitogittern an den Fenstern (Scheiben sind
nicht üblich und nicht nötig, wenn das Dach weit genug übersteht, um Regen zu verhindern.), die
Beschaffung von (Decken)Ventilatoren, der Bau eines Geländers im Treppenhaus sowie das Fliesen
der Küche, das als Abschlussarbeit von Fliesenlegerschülern geplant ist.
Wie erwähnt, ist die kontinuierliche Stromversorgung noch nicht gegeben. Spätestens bei Belegung
der Internatsplätze müsste zumindestens für Lichtstrom eine Versorgung installiert werden. Dies
auch, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Eine Interimslösung wäre die Beschaffung eines
Wechselrichters (inverter) und einigen Batterien, eine im Land übliche Art um
Stromunterbrechungen zu verringern oder eine begrenzte, aber bezahlbare Versorgung zu haben.
Mit dieser Zwischenlösung könnte man die Versorgung später in beide Richtungen planen: für den
Anschluss ans Stromnetz oder zur Installation einer Solaranlage.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen?
Da Küche und Schlafsälen noch gar nicht eingerichtet sind, kann ich diese Frage nur verneinen. Ich
hatte jedoch den Eindruck, dass Herr Roy die restlichen Bauarbeiten sowie die Einrichtung der Anlage
wohlkoordiniert, verantwortungsvoll und nach Kräften vorantreibt.
Da man im Land daran gewöhnt ist, mit Unzulänglichkeiten umzugehen, habe ich keine Bedenken,
dass der Betrieb leidet, wenn das ein oder andere noch nicht funktioniert.
Was bei meiner Besichtigung extrem in Auge gestochen ist, war die absolute Sauberkeit sowie die
auffallend pflegliche Behandlung der vorhandenen Mittel. Beim Betreten des Informatikraumes zum
Beispiel hatte ich das Gefühl, dass die Schülercomputer gestern aufgestellt wurden und nicht bereits
ein halbes Jahr benutzt werden. Insofern sehe ich weiter investiertes Geld gut aufgehoben, bis dass
es seiner Verwendung durch die Belegung des Internats zu Gute kommt.


Ich wünsche der Fondation Jean Paul II, insbesondere dem Projekt in Cay-Jacmel gutes Vorankommen
und hoffe, dass die Schule und Internat einen kleinen Teil beitragen kann zur so nötigen
Verbesserung der Ausbildung und Entwicklung der jungen Leute in Haiti.

 


zurück                                                                                                                                      <<